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Der Anfang ist gemacht

-eine neue Chance für körperbehinderte Schüler an unserer Schule


Ab diesem Schuljahr gibt es eine Neuheit in unserer Schule. Erstmals in der Geschichte des FSG wird einem körperbehinderten Jungen die Chance gegeben, auf unserer Schule zu lernen.
Dafür wurde unsere Schule extra ein wenig verändert: Ein zusätzliches Geländer wurde im rechten Flügel ergänzt und außerdem ein behindertengerechtes WC im ersten Stock.
„Nur ein kleiner Anfang“, so Herr Etzhold, Direktor des FSG. „Man könnte die Schule noch viel behindertengerechter gestalten aber leider fehlen uns die finanziellen Mittel, Maximilian noch mehr zu unterstützen. Maximilian (so heißt der Schüler) ist aufgrund einer spastischen Lähmung aller vier Gliedmaßen an den Rollstuhl gebunden und kann nur kleinere Strecken laufen. Tatkräftige Unterstützung bekommt Maximilian von Josefa Eckard. Sie, selbst einmal Schülerin unserer Schule begleitet Maximilian im Rahmen ihres Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ). Von diesem Projekt hörte Josefa zufällig von Frau Walther, während sie noch Schülerin unserer Schule war. Sie fand das Projekt sehr interessant und informierte sich genauer darüber. Frau Walther schickte Josefa zum Amt für Senioren & Soziales. Von da an musste sie zwei Vorstellungsgespräche über sich ergehen lassen und setzte sich erfolgreich gegen einen anderen Bewerber durch.
Ihre Aufgaben bestehen nun darin, Maximilian in allen Bereichen, in welchen er Hilfe braucht,  zu unterstützen – ihm die Hand zu reichen, wann immer er sie braucht. Sie holt ihn am Morgen von zu Hause ab und fährt ihn zur Schule. Wenn Maximilian Treppen steigen muss,  stütz sie ihn. Im Unterricht sitzt Josefa in der letzten Reihe und kann so Maximilian zur Hand gehen, wenn er z.B. an die Tafel muss. „Ich unterstützen ihn, wo es geht, kann ihm aber nicht alles abnehmen, denn er muss lernen, selbständig zu sein, um später auch einmal ohne Hilfsperson zur Schule zu gehen“, so Josefa. Ihre Zeit als Hilfe ist auf ein Jahr begrenzt. Dann wird wahrscheinlich eine neue Unterstützung eingestellt werden. Am besten wäre natürlich wieder ein Zivi beziehungsweise ein FSJler der einmal Schüler unserer Schule war. Das Ziel ist, dass es Maximilian schafft, in der neunten oder zehnten Klasse ohne Unterstützung den Schulalltag zu meistern.
Es war eine sehr große Umstellung für die Lehrer, Josefa und Maximilian. Für die Lehrer und Josefa bestand diese darin, dass Josefa ihre alten Lehrer nun nicht mehr als Lehrer sieht, sondern schon als Mitarbeiter.


Die größte Umstellung für Maximilan bestand wohl im neuen Schulalltag. Bevor er hier auf unsere Schule gekommen ist, war er in Erfurt auf einer Montessori Grundschule. Dort waren die Lernprozesse ganz anderes gegliedert. Es wurde mehr in Gruppen gearbeitet.
Auch für die Lehrer ist dieses Projekt eine große Herausforderung. „Zuerst waren die Lehrer sehr unsicher, wie sie mit dieser Situation umgehen sollen“, weiß Josefa zu berichten. Doch dann wurde eine Lehrerkonferenz für Maximilian einberufen. So legte sich die anfängliche Unsicherheit sehr schnell – und nicht nur bei den Lehren, sondern auch bei den Klassenkameraden. Nach zwei bis drei Tagen fingen diese an, Maximilian auch zu unterstützen. Inzwischen gibt es schon regelrechte „Kämpfe“, wer den Rollstuhl schieben darf. Und wenn man einmal auf den Schulhof schaut, kann man sehen, wie viele Kinder mit Maximilan Spiele machen.
Mit diesem Projekt ist das FSG das erste Gymnasium Weimars, das diese Chance gibt. Auf die Frage an Herrn Etzhold, ob er dies als ein Anfang weiterer solcher Projekte sehe, antwortete er mit fester und sicherer Stimme: „Auf jeden Fall, wenn dieses Projekt funktioniert, sehe ich der Zukunft positiv entgegen“.  

Theresa Lippold

       

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