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Mittwoch, 21. Februar 2018, 21:19 Uhr

Von: Cornelie Becker-Lamers



Egal, was Sie vergangenen Freitag am frühen Abend getan haben: Wenn Sie am 16. Februar ab 18 Uhr nicht in der Aula des Schiller-Gymnasiums waren, haben Sie etwas verpaßt! Die Theater-AG unter der Leitung von Katie Fagotti führte dort nämlich mit „Ernst sein ist alles“ von Oscar Wilde ihr neues Stück auf. „The Importance of Being Earnest“, wie der Originaltitel des Dreiakters lautet, ist ein mitreißend witziges Schelmenstück, das Wilde selber für seine beste Komödie hielt.

Im Milieu der ‚besseren Gesellschaft‘ Englands zwischen Gentry und Hochadel angesiedelt, sprüht dieses Kammerspiel in ausgedehnten, aber nie langatmigen Dialogen von Wortwitz und Anspielungen auf bis heute gängige, im Verlauf des Spiels durch die handelnden Personen selber aber widerlegten Vorurteile über das Wesen des Mannes und der Frau, die möglichen Reibungen zwischen Anstandsnormen und persönlicher Wahrhaftigkeit, den Ansprüchen gesellschaftlicher Positionierung und der Suche nach dem individuellen Glück.

Den von Wilde originell erdachten Handlungsverlauf zwischen der Londoner Stadtwohnung des jungen Lebemannes Algernon Moncrieff (hinreißend verkörpert durch den Abiturienten Ludwig Lorenz) und dem Landsitz seines Freundes John Worthing (in allen charakterlichen Facetten souverän dargestellt von Jullien Holland, Klasse 12), die beide unter falschem Namen ihren jeweils Angebeteten einen Heiratsantrag machen und sich dabei unabsichtlich, aber unwiderruflich im Beisein der empörten jungen Damen gegenseitig enttarnen, setzten die insgesamt nur acht Schülerinnen und Schüler absolut textsicher, mit großem schauspielerischen Talent und viel Liebe zum Detail um. Umwerfend komisch etwa Johns Bemühen, das Tablett mit – das hatte das Publikum vorher gesehen – echt befüllter Teekanne, vor allem aber mit den letzten Muffins vor seinem ständig essenden Freund Algernon in Sicherheit zu bringen. Bravourös die Standpauken der vornehmen Tante Algernons, Lady Augusta Bracknell (eine Rolle, die der Abiturientin Sarah Pietsch förmlich auf den Leib geschrieben schien), deren scheinbar unverrückbare Ansichten über standesgemäße Verbindungen angesichts des unerwartet hohen Vermögens von Johns Mündel Cecily Cardew (die externe Johanna Schonert, Klasse 11) urplötzlich so elegante Auslegungen vertrugen. Gekonnt entwickelt die stimmungsgeladenen, von der Freundschaft in die Konkurrenz und zurück ins Bündnis umschlagenden Dialoge der beiden jungen Damen Cecily Cardew und Gwendolen Fairfax (Maya Krüger, Klasse 9), die in entzückenden Kostümen (man dankte dem Deutschen National Theater) zwei sittsame junge Damen der gehobenen Gesellschaft abgaben. Beeindruckend gespielt die gelahrten Monologe des Herrn Pastor Dr. Chasuble (Edgar Schmidgen, Klasse 6), die gestammelten Geständnisse der Gouvernante Miss Prism (Gina Reinsch, Kl. 9), die mit ihrer Geschichte das gesamte bisherige Leben des John Worthing ebenso klärt wie auf den Kopf stellt (aber mehr wird hier nicht verraten …) und die von Wilde gekonnt plazierten Auftritte und schlagfertigen Antworten von Algernons Butler Merriman und Johns Dienstmädchen Lane (in der Doppelrolle Laura​ Rödiger, Kl. 6​).

Die Ausstattung, erkennbar der historisch informierten Aufführungspraxis verpflichtet, versorgte die Schülerinnen und Schüler mit passenden Kostümen – Weste, Frack und Zylinder für die jungen Gentlemen, hochgeschlossene Spitzenbluse und ein waschechter Cul de Paris für Tante Augusta. Teetische, Sitzgelegenheiten und Garten waren liebevoll zurechtgemacht. Die immerhin zweieinhalb Stunden vergingen im Flug.

Falls Sie das Stück verpaßt haben, müssen Sie es unbedingt am … Moment mal – wann eigentlich? Das kann doch nicht die einzige Aufführung gewesen sein?

Wie auch immer – liebe Schülerinnen und Schüler! Tretet der Theater-AG bei! So bald wie möglich! Schickt Euer Smartphone schlafen und enthaltet Euch diese einmalige Chance der Selbsterfahrung und Selbstentfaltung, aber auch des Freude-Machens für andere nicht länger vor!

Herzlich für den wunderbaren Abend dankt

Cornelie Becker-Lamers









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