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Montag, 20. September 2010, 19:00 Uhr

Von: Charlotte Walter



Prof. Lotze

Das Podium

Herr Freyer und Herr Dr. Voigt

Das Auditorium

Das Programmheft der Zukunftskonferenz formulierte das Thema sehr deutlich: „Die kluge Schule baut vor.“ Frei nach dem Namenspatron der Schule stellte sich die Frage nach der Ausführung dieses Vorsatzes. „FSG – 2020 – wie bleiben wir eine gute Schule?“ - mit mathematisch naturwissenschaftlicher Ausrichtung.

Die Veranstaltung begann mit einem Referat von Prof. Lotze, Studiendekan der Physikalisch Astronomischen Fakultät der F.-Schiller Universität Jena. Er begann seine Rede damit, die Hauptanforderung an ein Gymnasium von heute zu nennen. Allerdings bemerkte er dabei, dass zu einer guten Allgemeinbildung als Studiengrundlage auch mathematisch naturwissenschaftliches Wissen von Wichtigkeit sei. Er stellte fest, dass dieses Wissen das Verstehen der Umwelt erleichtert und das die Mehrheit der Mensche naturwissenschaftlich denken müsse! Doch wie sollen die Gymnasien dieser Anforderung gerecht werden, wenn sich seit einigen Jahren ungemein starke Kürzungen der naturwissenschaftlichen Unterrichtsstunden abzeichnen?

Früher war für alle Schüler der erweiterten Oberstufe die gleiche mathematisch naturwissenschaftliche Bildung vorgesehen, die Lehrpläne waren aufeinander abgestimmt und mindestens dreißig Prozent der Gesamtstundenzahl wurden von Mathe, Physik, Biologie und Chemie ausgefüllt. Durch das Kurssystem und das seit 2009 exsistierende neue Kurssystem verringerten sich diese Stunden drastisch. Prof. Lotze machte dies am Beispiel Physik deutlich. So wurde die Zahl der Wochenstunden von Sechs auf Vier verringert. – In einem Physikkurs mit erhöhtem (!) Leistungsniveau. Das solch eine starke Reduzierung nur ein Abfallen der Leistungen mit sich bringen kann, sollte wohl allen klar sein. Und die Leidtragenden sind die Studenten und Universitäten. So müssen viele Studenten vor Antritt ihrer Studienzeit einen Mathematikvorkurs belegen, oder gar einen dreimonatigen Vorkurs, der die Aufgabe hat, sie überhaupt studierfähig zu machen.

Die Einführung des neuen Fachs Mensch – Natur – Technik, kurz MNT, soll dazu führen, den Schülern die Zusammenhänge zwischen den Naturwissenschaften zu verdeutlichen und einen fachübergreifenden Unterricht zu ermöglichen. Aber was ist mit dem guten, alten Biologieunterricht. Verschwunden? Nein, der ist in diesem neuen Fach enthalten. Die berechtigte Frage ist nun natürlich, wie groß die biologischen Kenntnisse der Abiturienten im Jahre 2018 im Vergleich zu dem Wissen der jetzigen Prüflinge sein kann! Und auch hier sind wieder die Studenten und Hochschulen die Betroffenen. Prof. Lotze meinte dazu treffend, dass es doch auch mit einer normalen Fächerunterteilung möglich sein sollte, die Zusammenhänge der Naturwissenschaften zu verdeutlichen, und dass zum Beispiel Mathematik und Physik gar nicht zu trennen seien.

„Die Schulen und Hochschulen haben sich aus dem Blick verloren!“ Daher appellierte Prof. Lotze zum Schluss seiner Rede an die Verantwortlichen für die Schulen, Ruhe und Beständigkeit in allen Lehreinrichtungen zu schaffen, im Unterricht immer fachlich bei der Sache zu bleiben und gute Lernbedingungen zu schaffen. Außerdem dürfe Bildung nicht ausschließlich als Vorbereitung auf das Berufsleben verstanden werden. Er richtete sich ebenfalls an die Schüler und versucht ihnen klar zu machen, sich nicht zu scheuen, Fragen zu stellen und auch mal falsche Antworten zu geben.

Nachdem es bei der Eröffnungsrede schon vereinzelten, zustimmenden Applaus gegeben hatte, folgte eine rege und sehr emotionale Podiumsdiskussion! Unter der Moderation von Herrn Freyer und dem Schüler Maximilian Steinhöfel stellten sich folgende Gäste neben Prof. Lotze den Fragen und Kritikpunkten der anwesenden Eltern und Schüler: Herr Köthe, Vorsitzender des Thüringer Philologenverbandes und ebenfalls Schulleiter eines naturwissenschaftlich ausgerichteten Gymnasiums, Herr Dr. Voigt, Geschäftsführer der CDU im Thüringer Landtag und Vorsitzender des Bildungsausschusses, sowie Frau Dr. Malz vom Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur.

Dabei wurde die neue Situation mit dem Fach MNT zur Sprache gebracht und von den Anwesenden Gästen als „Brückenfach“ vom Grundschulfach Heimatsachkunde zu den eigentlichen naturwissenschaftlichen Fächern bezeichnet. Doch diese Umstellung mit einer normalen Fachunterteilung haben schließlich auch schon alle Schüler vorher geschafft.

Die Idee eines Systems in der Oberstufe, bei der keine Naturwissenschaft abgewählt werden muss, wurde ebenfalls angesprochen. Wie weit man als eigenverantwortliche Schule solche Regelungen selbst festlegen könnte war daraufhin eine berechtigte Frage.

Frau Dr. Malz sprach außerdem an, dass ein großes Ziel des Unterrichts sei, mit anderen Fächern zusammenzuarbeiten und selbstständiges und kreatives Arbeiten zu fördern. Daraufhin meldeten sich viele Eltern und Schüler zu Wort, die versuchten, der Politikerin klar zu machen, dass die Klassen für solch eine Arbeit zu groß wären, für kleinere Klassen jedoch Lehrkräfte und Räumlichkeiten fehlen. Sie meinte daraufhin, dass vor allem Gruppenarbeiten helfen könnten. Und sofort flogen wieder drei bis vier Hände in die Höhe. Schüler und Mitglieder aus dem Lehrerkollegium schilderten die für den vollen Lehrplan viel zu knapp berechnete Zeit. Alle Zuschauer konnten den Lehrern richtig anmerken, wie verzweifelt sie teilweise sind. Denn die Pädagogen haben einfach keine Zeit mehr, ihren Schülern Fragen zu beantworten, ohne dabei mit dem Unterrichtsstoff in Verzug zu kommen. Und genau dass hatte Prof. Lotze zu Beginn gefordert. Dass Schüler sich nicht scheuen sollen, Fragen zu stellen.

Am Ende dieser Podiumsdiskussion blieb leider der Eindruck, dass die Bildungsbeauftragten im Thüringer Kultusministerium nicht allzu große Ahnung haben, wie die Schulrealität aussieht. Und am Ende blieb die berechtigte Feststellung: „Das alte Kurssystem hat doch auch funktioniert!“









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