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Mittwoch, 24. September 2014, 18:50 Uhr

Von: Ludwig Lorenz



Jeder hat sicher schon einmal den Schlüssel, einen Namen oder den Einkaufszettel vergessen, aber wie muss es sein, wenn man sich an die ganze letzte Woche nicht erinnern kann?

Genau das ist der Alltag im Martin-Luther-Haus in Erfurt. Unsere Klasse war dort einen Tag zu Gast. Die Einrichtung der Diakonie wurde im Sommer 2006 speziell zur Pflege und Betreuung demenzkranker Senioren eröffnet. Zu dieser Betreuung gehört vor allem die Erinnerungsarbeit, spezielle Übungen, um die Auswirkungen der Krankheit zu schmälern.

In sechs verschiedenen Gruppen konnten wir verschiedene Möglichkeiten der Erinnerungsarbeit kennenlernen. Durch einfache Handlungen wie Kochen oder Märchen vorlesen wird das Denkvermögen angeregt, indem sich die Betroffenen an ihre Kindheit erinnern können. So gibt es auch eine Spiele-Gruppe, die ein extra für diesen Zweck entwickeltes Brettspiel namens Ferretekeles ausprobiert. Mit verschiedenen Interaktionsfeldern wie z. B. Stichworträtsel, Schlagermusik und Kindheitserlebnissen wird den Senioren nicht nur ein Freizeitvergnügen geboten, sondern auch die Gehirnleistung soll verbessert und trainiert werden.

Neben diesen Trainingsmöglichkeiten steht den Pflegebedürftigen auch ein abwechslungsreiches Freizeitangebot zur Verfügung. So erzählte mir eine Betreuerin, dass an verschiedenen Tagen Musikabende, Sportwettbewerbe oder auch vielfältige Ausflüge unternommen werden. Doch an diesem Tag sollten wir in erster Linie die Therapiemöglichkeiten und den Umgang mit Demenz kennenlernen.

Aber dies war für viele aus unserer Klasse sehr befremdlich, denn es war oft das erste Mal, dass sie mit dieser Krankheit konfrontiert wurden. Das Verhalten und die Persönlichkeit mancher Patienten wurden durch die Demenz stark verändert. Einige gingen schreiend durch die Gänge, andere verkrochen sich in einen Sessel und waren kaum ansprechbar, wiederum andere hatten vergessen, wie sie ihre Arme oder Beine bewegen können.

Zum Glück sind nicht alle Senioren schon in so einem weiten Stadium, im Gegenteil, manche gehen unglaublich entspannt und glücklich mit ihrer Krankheit um, erzählte mir die Pflegerin. Dabei zeigte sie mir auch das Foto eines alten Herren und schilderte mir, dass dieser Senior immer gut gelaunt und voller Tatendrang ist. Unter anderem bei Ausflügen zeigte er seine ganze Energie und steckte die anderen Senioren mit seinem Tatendrang an. Leider sei er seit ein paar Tagen mit seiner körperlichen Verfassung nicht mehr zu diesen Ausflügen fähig. Trotzdem lässt er sich nicht unterkriegen und bleibt so glücklich, wie man ihn kennt.









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