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Mittwoch, 30. Juni 2010, 13:46 Uhr

Von: Jury der 18. Thüringer Schultheatertage



Dass uns hier kein staubiger Klassiker erwartet, verrät bereits der Stücktitel.
Doch was hat eine Theateraufführung mit einer Homepage im World Wide Web gemeinsam?
Die Theater-AG des Friedrich-Schiller-Gymnasiums Weimar hat sich mit ihrem Projekt gleich beiden Darstellungsformen gewidmet und nicht nur eine theatral/mediale Eigenproduktion, sondern auch eine Homepage dazu entwickelt. Anlässlich des 250. Schillergeburtstages stellten die Schülerinnen und Schüler die Fragen: Was wäre, wenn Schiller wieder zum Leben erwachen würde? Was würde er wohl von der heutigen Zeit halten? Und wie findet er unseren Umgang mit seinem literarischen Erbe? Und da im Theater fast alles möglich ist, steigt Schiller kurzerhand höchstpersönlich von seinem Denkmalsockel herunter und macht einen Spaziergang durch Weimar im Jahr 2010. Da gibt es eine Menge zu entdecken, von der Eisdiele bis hin zum Schiller-Kaufhaus. Vor seinem ehemaligen Wohnhaus begegnet er herrlich klischeehaften Touristen und Gymnasiasten, die eifrig eine Umfrage zum Thema Friedrich Schiller durchführen. Dann besucht er eine „Wilhelm Tell"-Aufführung im Park an der Ilm und schließlich schaut sich Schiller „sein" Gymnasium an und bringt die Schüler dazu,voller Leidenschaft „Die Bürgschaft" zu spielen. Zunächst wandelt Schiller dabei noch unbemerkt von den übrigen Protagonisten durch die Szenen, doch ist er immer auf der Bühne präsent, kommentiert die Geschehnisse oder stellt Fragen. Erst am Ende greift er direkt ins Geschehen ein und wird im Bunde der heutigen Jugend aufgenommen. Die Theatergruppe des Schiller-Gymnasiums wagt einen spannenden Mix aus live gespielten Theaterszenen und vorab gefilmten Sequenzen. Dabei sind die Videoeinspielungen nicht nur unterstützendes Medium, sondern fester Bestandteil der Handlung. Die Wechsel zwischen Film und Theaterbühne gelingen hervorragend. So wird beispielsweise auf der Leinwand eine Tür geöffnet und schon kommen die Darsteller durch diese auf die Spielfläche.
Richtig interessant wird es, wenn die Spieler live auf der Bühne agieren und mit großer Spielfreude verschiedene Darstellungsformen der Ballade ausprobieren. Jetzt zeigt sich das gute dynamische Gruppenspiel. Die Theatergruppe kann durch die unterschiedlichen angewandten Medien und Spielweisen eine große Bandbreite ihrer Fähigkeiten unter Beweis stellen. Die naturalistische Darstellung des Wilhelm Tell mit angedeuteten historischen Kostümen gelingt ebenso wie die chorische Sprechweise, Einsatz von Bodypercussion oder der ironische Umgang mit einer Probensituation. Dabei werden Schillerzitate immer harmonisch und sinnvoll eingebunden, so dass das „was-wäre-wenn-Szenario" perfekt aufgeht.









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