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Montag, 29. August 2016, 20:08 Uhr

Von: Elisabeth Siegesmund



Seit Jahren sprechen wir in der Schule über die großen Künstler der Klassik  und darüber, wie es sie alle nach Italien zog.

Nun, da hatten wir ja wohl keine andere Wahl, als uns dessen Hauptstadt Rom ein wenig genauer anzusehen ... oder? 

Am Sonntag, dem 12. Juni, ging es für 42 Schüler und Schülerinnen der Kursstufe 11 und die Lehrer Frau Schmidt, Frau Keil, Herr Heerdegen und Herr Grassmé  dann voller Vorfreude Punkt 18:02Uhr mit dem Bus los.

Nach einer nervenaufreibenden Fahrt von insgesamt ca. 20 Stunden, in denen wir durch Bayern, Österreich und Italien fuhren und Pause für Pause feststellen konnten, dass es von Mal zu Mal wärmer wurde, kamen wir gegen 14 Uhr am Montag in Rom an und bezogen unsere Zimmer im Hotel Casali nahe des Bahnhofes.

Vollkommen erschöpft zogen wir jedoch am selben Tag noch los, um uns einen ersten Überblick zu verschaffen.

Vorbei an der unserem Hotel sehr nahen und gut bewachten Santa Maria Maggiore, über eine Straßenkreuzung, an deren Ecken vier wunderschöne Brunnen standen, waren wir zunächst über das Quirinal zum Trevi-Brunnen gelaufen und durften dort feststellen, was es heißt, durch Rom zu gehen. Mädchen wie Jungen wurden von Kellnern und Verkäufern zum Setzen oder Kaufen aufgefordert und sie gaben uns bis zu unserer Abfahrt Ende der Woche keine Ruhe, Menschenmassen, die einem vergleichsweise dicht vorkamen wie auf der Leipziger Buchmesse, und ein Straßenverkehr, dessen Regeln, wie in einem Reiseführer von Frau Keil beschrieben „denen beim Auto-Scooter-Fahren“ durchaus nicht unähnlich sind. Getreu dem Motto „Wer stehen bleibt, verliert!“ gingen wir fortan wie echte Italiener über die Straße (ohne zu gucken, oder wenn der Weg gar zu grausig aussah mit geschlossenen Augen) und bahnten uns einen Weg zu unseren nächsten Zielen, dem Augustus-Mausoleum und der Ara Pacis.

Als wir jedoch in den nächsten Tagen versuchten, die für uns anstrengendste Route des ersten Tages vollständig zu rekonstruieren, stellten wir fest, dass abgesehen von der Tatsache, dass man viel zu weit gelaufen war,  zwischendurch aber  eine mit Worten nicht beschreibbare Aussicht genießen durfte, nicht mehr viele Erinnerungen und Namen hängengeblieben waren. 

Nachdem wir am Dienstagmorgen endlich „ ausschlafen“ durften und verblüfft festgestellt hatten, dass bei offenen Fenstern in dieser Großstadt das Schlafen gut möglich ist, wenn man nur müde genug ist, und erst 7:30 Uhr zum Frühstück erscheinen mussten, bei welchem uns für 46 Mann ein gar niedlicher, kleiner Raum zur Verfügung gestellt wurde, in welchem man von Kuchen, Cornflakes und Fußballbrötchen mit wahlweise Nutella oder Marmelade leben konnte, bekam ein jeder von uns ein Kärtchen mit Anschrift des Hotels sowie einen Stadtplan ausgehändigt. Als unsere zwei Frühstücksgruppen, fortan die Frühaufsteher und Morgenmuffel genannt, gestärkt waren, ging es auf zu unserem ersten Event am Dienstag: dem Kolosseum.

Nahezu jeder von uns hatte die Aufgabe, den Übrigen einen Vortrag zu halten; so wurden wir am Kolosseum, auch Amphitheatrum Flavium genannt, über dessen Architektur, Bauweise und Namensgebung, aber auch über Gladiatorenkämpfe unterrichtet und hatten danach genug Zeit, um uns vorstellen zu können, wie diese gigantische Arena einst von innen und außen ausgesehen haben muss. Danach ging es hinauf auf einen der sieben Hügel, auf welchen Rom bekanntlich einst erbaut wurde, den Palatin. Hier begutachteten wir die Überbleibsel der Paläste und Gärten ehemaliger Kaiser und Adliger und durften im Nachhinein von oben auf den nicht mehr ganz vorhandenen Circus Maximus und das Forum Romanum blicken. Ebenfalls noch am selben Tage hatten wir die Ehre, das „Gebiss“, ein umgangssprachlicher Name für das imposante Vaterlandsdenkmal Roms, und das Trajansforum zu erkunden, und hatten anschließend ein wenig Zeit, um ohne die Lehrer weitere Erkundungstouren zu Pizzerien und Eisdielen der Umgebung zu unternehmen. Abends 19 Uhr gab es jeden Tag ein aus drei Gängen bestehendes Abendmenü in einem Restaurant, eine Querstraße entfernt von unserem Hotel.

Nach dem umfangreichen Programm am Dienstag ging es am Mittwoch ein wenig entspannter zu. Wir besichtigten zunächst ein paar Kirchen unserer näheren Umgebung, wie  San Pietro in Vincoli, in welcher wir die Begegnung mit Schädeln und mit dem Tod in Form eines geflügelten Skelettes als Relief machten, die Santa Maria Maggiore und die kleine hübsche Kirche Santa Prassede, welche aus anderen Kirchen und Tempeln „zusammengebastelt“ worden war oder zumindest so aussah.

Anschließend begegneten wir dem Busfahrer von unserer Hinfahrt nach Rom wieder, Herrn Weimar, welcher uns nach Tivoli brachte, wo wir den restlichen Tag in der Villa d´Este verbrachten, einem wunderschönen Landhaus, dessen gigantischer Garten mit zahlreichen Brunnen, Wasserfällen und -spielen geschmückt war. Dort trafen wir auch zum ersten Mal auf Diana Efesia, die Statue einer Fruchtbarkeitsgöttin.

Der Donnerstagmorgen begann mit der wohl engsten Busfahrt unseres bisherigen Lebens zum Vatikan. Als wir über den Tiber gefahren waren und am Petersdom und -Platz ausstiegen, erblichen wir vor dessen Größe und Schönheit und suchten uns einen Weg vorbei an der Schweizer Garde und den strengen Kontrollen hinein in das heilige Gefilde. Die 504 Stufen an der Kuppel entlang, hinauf auf den Turm des Petersdomes, schafften wir dank des guten Vortrainings unserer liebevollen Sportlehrerin und Begleiterin Frau Keil natürlich mehr oder weniger mit Leichtigkeit, waren aber dankbar für die kleinen Päuschen zwischendurch. Auf diesem Weg, bei welchem manch einem bewusst wurde, dass er Platzangst hat, und bei dem  in einer Schräglage von 70° nur bedingt gut Treppensteigen möglich ist, konnten wir in das Innere der riesigen Kuppel des Petersdomes blicken und dessen Glasmosaike an den Wänden betrachten, den gesamten Petersplatz und den Vatikan überblicken und rätseln, in welchem Gebäude sich der ehemalige Papst nun pflegen lässt.

Nachdem das Hinfallen beim Abstieg der steilen Stufen größtenteils vermieden werden konnte, hatten wir Zeit, uns die verzierten Decken, Böden und Wände des Petersdomes von allen Ecken und Winkeln aus anzusehen. Anschließend gingen wir an der Engelsburg vorbei, einem Mausoleum, welches zu einer Festung umfunktioniert wurde, zur Piazza Navona und ließen uns erklären, für welche Flüsse die Statuen am Vier-Ströme-Brunnen stehen und woran man dies sehr offensichtlich erkennen könne. Schließlich durften wir den letzten vollständig erhaltenen Tempel des alten Roms mit seiner Kuppel, in deren Mitte ein Loch von 9 Metern Durchmesser eingearbeitet wurde, den Pantheon besuchen. Es war ein wenig traurig, dass dieser zwar in Gänze noch vorhandenen war, jedoch als mittlerweile geweihte Kirche zum Grab zweier Italienischer Könige wurde und von innen folglich nicht mehr zu erkennen ist, wie es damals einmal gewesen war im Tempel, der für alle römischen Gottheiten erbaut worden war. Während die breite Masse weiter strömte, hatte die Minderheit das Vergnügen, einer Hochzeit beiwohnen zu dürfen und einen Mädchenchor singen zu hören. Als wir danach in der Sant´ Ignazio Kirche das berühmte Deckengemälde betrachteten und im Mittelpunkt des Ganzen das Gefühl bekamen, als wäre das Gemälde gar kein Gemälde, und feststellten, dass die Kuppel neben dem Gemälde ebenfalls nicht echt war, zogen wir unseren imaginären Hut vor den Künstlern damaliger Zeit, welche solch räumlichen Illusionen erzeugen konnten.

Im Anschluss wurden wir für unser jahrelanges Warten belohnt, denn seit uns damals in der fünften Klasse davon erzählt wurde, haben wir artig gewartet, bis der Moment kommen würde, an welchem wir endlich dem berühmten Eiscafé Giolitti gegenüber stehen würden, in welchem es 90 Eissorten gibt, jede leckerer als die zuvor probierte. Traurig, dass wir diesen Traum eines jeden Kindes erst so spät kennengelernt hatten, jedoch glücklich, dass wir diesen Wunderladen besuchen konnten, kehrten wir zum Hotel zurück und genossen unseren letzten Abend in Rom, ob nun am Trevi Brunnen bei Nacht oder beim Fußballspiel der Deutschen.

An unserem letzten Tag in Rom teilte sich die Gruppe in zwei, denn auch wenn wir vielleicht nicht wollten, so mussten wir uns doch zwischen der da-Vinci-Ausstellung und dem Kapitolinischen Museum entscheiden. Während man in der da-Vinci-Ausstellung die Konstruktionen Da Vincis ansehen und auch ausprobieren durfte, konnte man im Kapitolinischen Museum wenige Überbleibsel der Originale alter römischer Statuen und Bauwerke besichtigen und traf dort zum Beispiel auf zwei Meter lange Steinfüße sowie erneut auf die Fruchtbarkeitsgöttin Diana Efesia.

Unsere bereits in einen Raum gestapelten und gepackten Koffer holten wir nur wenige Stunden später wieder hervor, und auch wenn es sehr schön und interessant war, so mussten wir uns bereits um 15:30 Uhr von Rom verabschieden und erneut die abenteuerliche Busreise nach Hause antreten.

Und während wir wieder zurück nach Weimar fuhren und es dank der Nacht und des Fahrens in Richtung Norden wieder kühler wurde, nahm der Traum von Rom und Italien sein Ende.

Rückblickend fanden wir die Kursfahrt nach Rom alle sehr schön und haben die Tage dort in der Sonne genossen, während uns von unseren Begleitungen Frau Schmidt, Frau Keil, Herrn Heerdegen und Herrn Grassmé ein wunderbares Programm geboten wurde und wir einiges dazugelernt haben.

Hierfür möchte ich mich stellvertretend für alle, die Sie dorthin begleiten durften, bei Ihnen bedanken. Besonderer Dank gilt dabei aber Frau Schmidt, welche in diesem letzten Schuljahr zusammen mit Frau von der Gönna hart dafür gearbeitet hat, dass diese Kursfahrt so stattfinden konnte, wie wir sie letztendlich erleben durften, denn aufgrund der komplizierten Situation zu Schuljahresbeginn war dies Weiß Gott nicht einfach! Für ein Jahr Planung und für die Durchführung, welche uns Rom von seiner meiner Meinung nach schönsten Seite gezeigt hat, vielen Dank  und ebenso für Ihre grenzenlos scheinende Geduld!!









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