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Samstag, 17. September 2016, 16:23 Uhr

Von: Johanna und Lilly Fischer



Montagabend, am 05.09.2016, im Friedrich-Schiller-Gymnasium Weimar. Trotz des regnerischen Wetters ist die Aula gefüllt mit Menschen, die auf Sigrid Damm warten.

Die am 7.12.1940 geborene Thüringerin ist eine preisgekrönte Schriftstellerin, Hochschullehrerin und Kritikerin. Ihre Bücher handeln von Themen der Weimarer Klassik. Heute ist sie gekommen, um den Zuhörern einen Einblick in das Leben von Friedrich Schiller zu gewähren, „zu dem sie anfänglich keinen Bezug hatte“, erzählt sie. Dies sei das einzige Buch, das ihr vom Verlag aufgezwungen worden sei, meint sie mit einem kleinen Lachen. Auf der Bühne sind neben dem Lesetisch mit Blumenstrauß und dem Stuhl für die Autorin ein großer Büchertisch und ein richtiger Bücherwagen von der Buchhandlung „Die Eule“ mit vielen Titeln von Sigrid Damm aufgebaut. 

Obwohl Frau Damm auf der Friedrich-Schiller-Universität in Jena Geschichte und Germanistik studiert hatte und sich in ihren vorherigen Büchern bereits mit Goethe und der Weimarer Klassik auseinandergesetzt hatte, wo Schiller immerhin zum Viergespann Goethe, Schiller, Herder, Wieland gehörte, war ihr damals Goethe immer näher gewesen, so berichtet sie. Erst als sie begann, Schiller zu lesen, änderte sie ihre Meinung. Ihre Schiller-Biographie schildert nicht einfach nur Leben und Werk des berühmten Dichters. Aus persönlichem Blickwinkel betrachtet, führt Sigrid Damm den Leser von den diversen Schiller-Orten in der Gegenwart zurück in den Alltag des Autors. 

Eingeleitet wird der Abend durch unseren Schillerdarsteller, Ludwig Lorenz, bevor Sigrid Damm beginnt, von ihren Kindheitserfahrungen zu erzählen, wie ihre Schwester ihr die „Bürgschaft“ beibrachte und dass sie Georg Büchner zustimmte in seiner Ablehnung Schillers. 

Die Aula ist still, alle hören gespannt der ruhigen, leisen Stimme zu, die von der Suche zu Schiller berichtet. Auffällig ist ihre Art und Weise zu schreiben und zu beschreiben, bildlich und verständlich, mit vielen Zitaten, die sich unauffällig in den Text weben. 

Unter anderem beschreibt sie die Statue von Goethe und Schiller auf dem Theaterplatz. Ihre Frage ist, ob die nicht realitätsgetreue Darstellung der beiden Dichter eine Art der Gerechtigkeit ist? Warum wurden sie in gleicher Körpergröße verewigt?

In ihrer Schiller- Biografie zitiert sie vor allem Briefe,  um in Schillers von Krankheiten und entsprechenden Stimmungsschwankungen geprägtes Leben blicken zu lassen: „Opiumschlummer und Champagnerrausch“, wie er selbst es nennt. Vor allem für die Widersprüchlichkeit Schillers empfinde sie Neugier, sagt sie. 

Der nächste Textauszug, den sie vorliest, handelt von Schillers Flucht aus Württemberg am 22.9.1782 vor Herzog Carl Eugens Schreibverbot aufgrund der Uraufführung der „Räuber“ und einer unerlaubten Reise nach Mannheim. Schiller selbst, so Damm, beschreibt diese Flucht als Reise aus eigenem Entschluss. Im Jahr 1782 lernt er die Schwestern Lengefeld in Bauerbach bei Meiningen kennen: Caroline von Wolzogen und ihre Schwester Charlotte von Lengefeld, seine spätere Ehefrau. Das Dreigespann Schiller-Charlotte-Caroline ist Teil von Sigrid Damms nächstem Leseabschnitt, worin sie die Naivität von Schiller aufzeigt, in Bezug auf eine von ihm erhoffte Dreiecksbeziehung.

Sie beendet ihre Lesung mit der Krise zwischen Goethe und Schiller und Schillers Tod. „Allein kann ich nichts machen“, zitiert sie Schillers Worte, die zur Begründung seiner Ortsveränderung dienen. Weimar war zu klein für den Dichter, er wollte nach Berlin. Sein letztes und erfolgreichstes Werk – „Wallenstein“- ein letztes Aufbegehren gegen den Tod. Es folgt die Beschreibung seiner Beerdigung in der Jakobskirche. Ihr Schlusswort: „Es bleibt nichts als das Werk Schillers.“ 

Unser Schiller beendet den Abend mit Worten des Danks, denen wir uns nur anschließen können.  Es ist großartig, aus einer so interessanten und anregenden Schrift über Schiller gehört zu haben, deswegen danken wir im Namen der anwesenden Schüler- und Lehrerschaft für die Möglichkeit, dass Sigrid Damm an unsere Schule kommen konnte!









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